Wie der Mensch in die Luft kam

Gebrüder Montgolfier und Co

Der Mensch versuchte sich im Laufe der Zeit immer wieder in die Luft zu erheben. Diese Versuche scheiterten nicht nur an den mangelnden Technischen Mitteln, sondern auch an dem tief verwurzelten Glauben der Menschen, dass der Himmel als Lebensraum übernatürlicher Wesen diene, und der Mensch deshalb nicht in diese Welt vorstossen dürfe.

Es dauerte bis ins Jahr 1783. Zwei Brüder, Joseph und Etienne Montgolfier kamen zur wissenschaftlichen Erkenntnis, dass warme Luft nach oben steigt, und demnach ein leichtes Gas darstellt. Die gebrüder Montgolfier betrieben in Annonay, einem kleinen Städchen bei Lyon, eine Papierfabrik. Sie verfügten über die Finanziellen Mittel, um Versuche mit Leinenpapierballonen durchzuführen. Grosse Papierballone wurden hergestellt, mittels eines qualmenden Strohfeuers aufgeheizt, und auf die Reise durch die Luft geschickt.

Man war dem Traum, sich in die Luft zu erheben, ein grosses Stück näher gekommen.

Bald kam die Idee, einen Aufstieg mit Tieren zu versuchen. Ein Hahn, eine Ente und ein Hammel waren die ersten Passagiere in der Luftfahrt. Man war gespannt, wie diese Tiere die Reise überstehen würden. Gegner und Befürworter des Versuchs, lieferten sich heftige Diskussionen, und es entstanden Theorien über die Gefährlichkeiten der Luftschichten. doch die drei Tiere überlebten die Fahrt. Nur der Hahn hatte einen gebrochenen Flügel. Jetzt war natürlich die Diskussion über die Gefährlichkeit solcher Aufstiege wieder entfacht. Eine wissenschaftliche Untersuchung des Vorfalls kam schliesslich zu der Überzeugung, dass der Hammel bei der Landung dem Federvieh auf den Flügel getrampelt war.

Der Traum des Menschen um einen Stehplatz am Himmel schien in Erfüllung zu gehen.  

Niemand wollte es wagen, als erster Mensch in den Himmel zu steigen. So wurden zwei Schwerverbrecher ausgewählt. Tausende Schaulustige versammelten sich, und man war gespannt, ob dieser Versuch klappen würde. Kurz bevor sich der Ballon mit den Schwerverbrechern abheben sollte, standen zwei junge mutige Adlige vor die Menge, und überzeugten den König, die Ehre der Menschheit sich in die Lüfte zu erheben, nicht diesen Verbrechern zu überlassen. So stiegen am 21. November 1783 Pilâtre de Rozier und Marquis D`Arlandes als erste Menschen mit einem Heissluftballon „Montgolfiere“ in die Luft

Ebenfalls im Jahre 1783 machte Prof. Charles Experimente mit Baumwollballonen. Er füllte diese mit dem damals bereits bekannten Wasserstoffgas. Auch diese Kugeln stiegen zur Freude der meist zahlreichen Schaulustigen in die Luft.

Angetrieben von den Versuchen der Gebrüder Montgolfier arbeitete prof. Charles intensiv an seinen Gaskugeln. Bereits am 1. Dezember 1783 konnte er den ersten bemannten Aufstieg mit einem Gasballon „Charliere“ durchführen. Vor mehr als 100`000 begeisterten Zuschauern stieg er in den Himmel Frankreichs, und erreichte bereits damals eine Höhe von 3000 Meter über Meer.

Zu Ehren der Erfinder werden noch Heute die Heissluftballone „Montgolfieren“ und die Gasballone „Charlieren“ genannt.

Die Technik der Montgolfieren mit ihren brennbaren Papierhüllen verschwand recht bald wieder von der Bildfläche. Erst moderne Textilien mit Kunststoffbeschichtung und die Verwendung von Flüssiggas mit speziellen Brennern, verhalf in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, dem Heissluftballon zu einer ungeahnten Renaissance. 

Der Gasballon „Charliere“ war der Triumph der Technik in der damaligen Zeit. Die Welt wurde von einer Ballonbegeisterung erfasst, und die Ballonfahrer „Luftschiffer“ genannt, wurden zu den berühmtesten Persönlichkeiten der damaligen Zeit. Die Fahrten dauerten immer länger und führten immer höher hinauf. 1785 wurde erstmals der Ärmelkanal von Dover nach Calais überquert, 1794 schufen die Franzosen die erste Luftschifferkompanie, und Gasballone erhielten eine wichtige Rolle in der wissenschaftlichen Forschung.

Mit dem Ballon vermochte zwar der Mensch zur Luft zu fahren, sie aber beherrschen konnte er nicht. Daher wurde schon früh versucht, den Ballon lenkbar zu machen, ihn mit Antrieb und Steuerung zu versehen. Der Gasballon war lange Jahre das Luftgefährt der Ballonfahrer. Doch die neuen Technologien bei den Heissluftballonen, und die Möglichkeit überall und jederzeit zu starten, verdrängt den Gasballon immer mehr von der Bildfläche. Nur wer schon einmal mit einem Gasballon über die Landschaft geschwebt ist, weiss dass dieses Glücksgefühl in völliger Ruhe und Harmonie mit der Natur, nur mit einem Gasballon erlebt werden kann!!