35h von Gladbeck bis SW-Paris

Mit dem Gasballon sind fantastische Luftreisen möglich und ab und zu gibt es Gäste die besondere Wünsche haben, wie an Pfingsten 2018. 2 Nächte im Ballon zu verbringen, das war wollen Motorflug Pilot Didi und seine Frau Andrea. Nicht ganz so einfach, denn es muss einiges stimmen und es gibt nicht viele Wochenende die genügend lang sind, um nach der Fahrt auch den verpassten Schlaf wieder nachzuholen. Pfingsten ist so ein verlängertes Wochenende, aber wird das Wetter passen? Unser Gordon Bennett Meteorologe Daniel Gerstgrasser ist gerne bereit uns zu unterstützen und Roman Hugi kommt als 2. Pilot mit auf die Luftreise. Von Norden dehnt sich ein Hochdruckgebiet Richtung Mitteleuropa aus, aber gleichzeitig macht sich auch ein Kaltlufttropfen auf den Weg Richtung Südosten. Es gibt einige Startplätze die zur Auswahl stehen, wenn möglich wollen wir in Bad Zurzach am Rhein starten, aber danach sieht es nicht aus. Die Wettermodelle sind durch die Höhenkaltluft verunsichert, da kommt Dani Gerstgrassers Erfahrung und sein grosses Wissen in Sachen Wetter zum Zug. Die einzige Möglichkeit unsere Fahrt durchzuführen ist in Gladbeck bei unserem Gordon Bennett Freund Willi Eimers, so nehmen wir die 9 stündige Reise quer durch Deutschland unter die Räder und treffen Abends um 21 Uhr auf dem meist genutzten Gasballon Startplatz Europas ein. Um Mitternacht sind wir Startklar.

Es folgt eine fantastische Nacht über dem Ruhrgebiet. Es liegt eine industrielle Duftnote mit Kohleanteil in der Luft, untermalt von tausenden Lichtern. Die Freiheit hier oben ist nicht grenzenlos, es gibt auch solche die den Luftraum kommerziell nutzen, wie die Cargo Flieger ab Köln Bonn. Es gelingt uns eine Luftströhmung Richtung Südwesten zu finden, die uns an der CTR Köln Bonn vorbei Richtung Luxemburg bringt.

Nach jeder Nacht freut man sich auf die Sonne mit ihren wärmenden Strahlen. Jeder Sonnenaufgang hat seinen Reiz, besonders wenn die Luft feucht ist. Weitere Bilder sind in der Galerie zu finden.

Ab mitte Vormittag, wenn die Sonne den Boden genug erwärmt hat beginnt die Thermik. Was dem Segelflieger das Herz höher schlagen lässt, bringt für den Gasballonpiloten ein stetiges Auf un Ab mit sich, der Sandverbrauch steigt und unser Ballon kommt immer höher hinauf. Jris ist mit dem Auto in unserer Nähe und geniesst das schöne Wetter vom Boden aus.

Eigentlich ist am Abend eine Zwischenlandung geplant, bei der aussteigen kann, wer keine zweite Nacht im Korb verbringen möchte. Mit der Abkühlung gegen Abend lassen wir unseren Ballon sinken und Jris steht bereit um uns in Empfang zu nehmen. Die Bodenwinde sind mit 20 km/h recht flott und so gelingt es uns denn auch nicht, ohne grösseren Gasverlust zu landen. Die Sonne geht spektakulär am Horizont unter und unsere Luftreise geht mit Vollbesatzung in die zweite Nacht, was mit 250 kg Ballast auch kein Problem ist.

In der Nacht drehen die Winde immer mehr Richtung Westen und wir müssen aufpassen nicht zu nahe an Pariser Luftraum zu kommen. Von zu Hause aus haben wir Unterstützung von Gian-Marco Nacht, der unsere Reise am Computer verfolgt und für uns Traijektorien Berechnungen macht, das sind Modellrechnungen die zeigen wo unser Ballon in verschiedenen Höhen hinfahren wird. So können wir vorausplanen und die beste Strömung finden. Gian-Marco wird auch am kommenden Gordon Bennett Rennen, der Weltmeisterschaft im Langdistanz Gasballonfahren unser Stratege sein und so ist diese Fahrt auch ein Training für ihn und uns. Plötzlich entdecken wir auf der Luftraumkarte eine Restricted Area, ein Gebiet wo wir nicht durchfahren dürfen, respektive wo wir auf 3500 Fuss steigen müssen. Der Wind dreht bedrohlich Richtung CTR Paris, aber hinter der Zone ganz tief am Boden können wir wieder gut nach Südwesten korrigieren. Langsam macht sich der Morgen bemerkbar und die Feuchtigkeit hat deutlich zugenommen. Am Funk meldet sich Adrian Held und René Rammel, zwei Ballonfreunde aus der Gegend südlich Paris. Sie sind auf dem Weg zum Startplatz, um mit dem Heissluftballon aufzusteigen.

Nach 35 Stunden und 617 km landen wir sanft südwestlich Paris.

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